ATG - Winterlauf - 15.12.2013

Ein Laufnovize packt aus: Ein schonungsloser Bericht über den ATG-Erstlingslauf eines Laufneulings. Zart besaitete Gemüter sollten das Lesen an dieser Stelle beenden.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her als ich in der letzten Kehre beim Finish der Läufer ins Stadion der ATG stand und die eintreffenden Läufer anfeuerte. Ich hatte großen Respekt vor deren Leistung. Gerne wäre ich mitgelaufen. Ich hatte gerade angefangen zu laufen, nur einpaar Wochen her. Einmal in der Woche vom Raerener Bahnhof 4 km in Richtung Roetgen und wieder 4 km zurück.Anfangs mit häufigen Pausen, dann immer weniger bis zum Schluss eine kurze Pause nach 4 km. Vielleicht hätte ich ja 10 km der 18km des ATG-Laufes geschafft. Aber die Frage, wie weit die Füße tragen würden, stellte sich erst gar nicht, da ich keine der raren Startnummern mehr ergattern konnte. Die waren in sehr kurzer Zeit vergriffen.

Die Läufer, die einem nach erfolg-reichem Lauf entgegen kamen, hatten eine Medaille um den Hals. Bei genauem Hinsehen war es eine essbare Medaille aus einer Riesenprinte, eine typisch Aachener Idee eben.Wochen - oder waren es Monate - gingen ins Land.

Es wurde Frühjahr und zufällig hörte ich von Freunden (Monika u. Rainer), dass sie sonntags an einem Lauftreff am Waldstadion teilnehmen würden. Ich dachte, das probierst du mal aus.

Gesagt getan. Ich schloss mich der langsamsten Laufgruppe an, merkte aber schon bald, dass ich es mit der nächst schnelleren Gruppe versuchen könnte. Zu welcher Leistung man in einer Gruppe fähig ist, merkte ich schon bald, als wir laufend bis und über die belgische Grenze hinaus gekommen sind. Diese Distanzen hätte ich mir nie vorstellen können, laufend zu bewältigen. Auch weiß ich, dass ich mir diese Distanz alleine nie vorgenommen hätte. Das Gruppengefühl hat mir aber die Kraft gegeben, es nach und nach zu schaffen.

Nach den Sommerferien stand dann mein erster Volkslauf auf dem Programm. 10km Stadtlauf von Würselen. Das war schon anstrengend, zumal es zum Schluss immer nur noch hoch ging und das mit zunehmender Steigung. Außerdem war ich während der Sommerferien nicht viel gelaufen, so dass ich nicht mehr auf einen Trainingseffekt zählen konnte.

Der zweite Lauf sollte dann der Rurseelauf als Vorbereitung für den ATG-Lauf sein. 2km kürzer als die ATG-Strecke, aber dafür mit zwei anspruchsvollen Steigungen versehen. Der Lauf klappte wunderbar in einer passablen Zeit, auch dank Peter's genauer Erläuterung zum Streckenverlauf, insbesondere dem Höhenprofil. Nach einem 2-stündigen Probelauf eines der folgenden Freitage mit Jürgen, Pierre und Peter fühlte ich mich fit genug, um einen angebotenen Probelauf der Originalstrecke auszuschlagen.

Dann kam der Tag der Wahrheit. Am Abend vor dem Lauf hatten mich mehr oder weniger heftig stechende Schmerzen im rechten Knie heimgesucht. Um dies bis zum nächsten Tag auszukurieren war es einfach zu spät. Ich habe für mich beschlossen, trotzdem anzutreten und solange mitzumachen wie es irgendwie möglich sein würde, vorausgesetzt, dass die Schmerzen im erträglichen Rahmen blieben. Keine idealen Voraussetzungen also für den nächsten Tag.

Der nächste Morgen kam. Die Wetter-aussichten waren für die Jahreszeit nicht allzu schlecht. Von einem großen Regen sollten wir verschont bleiben. Aber das typische Aachener Nieselwetter hatte uns alle im Griff. Am ATG-Vereinsheim traf ich meine Mitstreiter/innen. Elfi hatte die Startnummern für alle besorgt und nun verteilt. Damit stiegen wir dann in einen der bereitstehenden Busse, der uns zum Ausgangspunkt nach Zweifall bringen sollte.

Dort gab es von fleißigen Helfern erst einmal warmen Tee, was bei diesem Wetter nicht hoch genug einzuschätzen war. Die Warterei hatte irgendwann einmal ein Ende. Vorher habe ich mein mitgebrachtes Doping verteilt und auch selbst fleißig eingeworfen: Eine Vitamin-C-Bombe in Form von getrockneten Cranberries. Hilft wirklich gegen alles. Man muss nur dran glauben.

Dann ging es langsam zur Startaufstellung. Auf dem Weg hatte ich meine Mitstreiter verloren. Da diese aber viel schneller als ich sind, habe ich mich brav in meine erwartete Zeitgruppe 1:45h eingruppiert. Und dann ging es auch schon los. Da ich im Mittelfeld war, lief das ganze sehr langsam an, fast schon zu langsam. Aber dann zog sich das Feld auseinander. Mein Knie? Nichts gespürt, also erst einmal weiterlaufen, dachte ich. Dann kamen abwechselnd Wald und Feldstrecke, danach die Vennbahnstrecke mit dem kurzen steilen aber anstrengenden Anstieg und einem kleinen Stau davor. Die ebene Strecke war eine Erholung, dann kam auch schon die Bahnhofsmission, das wäre ein Jahr zuvor mein Ziel gewesen.

Aber ich fühlte mich noch recht fit, auch wenn ein linker Zeh Mucken machte. Einige konnte ich überholen. Dann ging es schon übers Brander Feld und ab hier war mir die Strecke bekannt, da wir in der Vorbereitung des Laufes bis hierher gelaufen waren. Das gab mir zusätzlichen Auftrieb, schließlich konnte ich die verbliebene Distanz zum Ziel nun gut einschätzen. Die Steigung bis zur Eupener Str. machte mir diesmal wenig aus. Und zum Schluss konnten noch Reserven abgerufen werden.

Ein paar bekannte Gesichter in der letzten Kehre am Wegesrand vor dem Finish und dann war es geschafft, ganz knapp unter der avisierten Zeit. Ein schönes Gefühl, es geschafft zu haben und selbst die essbare Medaille in Empfang nehmen zu können. Nach und nach traf man die Mitstreiter aus der Laufgruppe. Einen großen Teil meines Erfolges verdanke ich der gesamten Laufgruppe, in die ich sehr nett aufgenommen wurde. Besonders zu erwähnen ist die Unterstützung von Jürgen, der geduldig, abgekoppelt von der schnellen Gruppe, mir sehr geholfen hat, mich an diese heran zu arbeiten. Danke. Jürgen!! Und alles erdenklich Gute zu deinem 70. Geburtstag, den du heute begehst.

 

Manfred