Am 16. März nahm wieder eine ausgewachsene Gruppe unseres Lauftreffs an einem Volkskauf teil: 10km im Eschweiler Stadtwald mit Start und Ziel Waldstadion lautete die Herausforderung. Das Wetter hat alle Prognosen und Vorhersagen ignoriert und bot uns einen zwar sonnenarmen, aber mit ca. 10°C angenehm temperierten und trockenen Vormittag - ideales Laufwetter. Entsprechend gut gelaunt tummelten sich beim Start ca. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die 10km Strecke und liefen mit nur wenigen Minuten Verspätung los.
Das Wichtigste vorweg: Unser Lauftreff stellte 12 Siegerinnen und Sieger: Birgit, Branca, Detlef, Elfi, Elli, Gisela I, Gisela II, Ingrid, Johanna, Peter, Ulli, Walter erreichten alle das Ziel, und zwar jeweils in einer Zeit, die völlig im Bereich ihrer Erwartungen oder gar darüber hinaus lagen. Völlig zu Recht waren alle stolz und zufrieden und hatten sich ein dickes Lob in Form eines üppigen Mahls verdient. Doch trotz der großartigen Leistungen ist von zwei besonderen Ergebnissen zu berichten: Johanna und Ulli konnten sich mit ihren zweiten Plätzen in ihren Altersklassen für alle Zeiten in die Annalen der Eschweiler Leichtathletik eintragen und eine Urkunde und eine Flasche Wein mit nach Hause nehmen. Der Berichterstatter beugt sich in Ehrfurcht und spricht aus tiefem Herzen seinen Glückwunsch aus.
Der Lauf startete und endete am Waldstadion: Also bereits mitten im Eschweiler Stadtwald, und dieser markierte auch das Laufgebiet. Zunächst ging es die Barbarastraße bergab - ein böser Bluff der Veranstalter: Denn schon nach 200 m ging es in die Straße "Am Buchenwald", und dann knapp 2km nur noch bergan durch den Stadtwald, bis die Birkengangstraße überquert wurde. Niemand ließ sich von dieser Steigung entmutigen, der erste Sieg über die inneren Hemmkräfte war errungen. Anschließend verließen wir zwischen Bohler Heide und Killewitchen den Stadtwald und kamen in den Genuss herrlicher Weitsicht über Hastenrath hinweg. Aber dann: An Obstwiesen vorbei war wiederum eine mächtige Steigung zu nehmen, die zurück bis zum "Gipfel" des Stadtwaldes führte. Der aufmerksame Leser bzw. Leserin ahnt es - wiederum erklimmten 12 SiegerInnen spielend den Gipfel.
Dann war der Zieleinlauf nur noch eine Frage von Minuten: Über die Wilhelminenstrasse gings bergab, "Am Gerhardsschacht" stürmten wir über den Hintereingang das Waldstadion, gaben dem Publikum eine Stadionrunde lang Gelegenheit uns zu applaudieren, bevor die Zeitnehmer der Veranstalter der ESG unser Erlebnis zu beenden versuchten. Aber vergeblich. Denn nach der Siegerehrung - nochmals: Johanna und Ulli! - setzten wir die Veranstaltung in einem empfehlenswerten Steakhouse in Eschweiler fort und hatten noch eine Menge Spaß miteinander. Wir müssen gar nicht laufen, um zwei sehr angenehme Stunden miteinander verbringen zu können. Das war erneut eine schöne Erfahrung.
Abschließend sei noch erwähnt, dass wir über historisch bedeutsames Gebiet liefen, den "Kohlberg". Es handelt sich um eines der ältesten europäischen Industriegebiete. Erstmals urkundlich erwähnt ist der Steinkohlebergbau auf dem Kohlberg 1394! Man muss kein Archäologe sein, um die Spuren noch zu erkennen. Die Menschen hämmerten einen Pflock in die Erde, schlugen mittels einer Schnur einen Zirkel darum herum, und fertig war ihr Grubenfeld. So entstanden die sog. Pingen, trichterförmige Löcher und Hügel des mittelalterlichen Bergbaus, die wir in unserem Lauf überall sehen konnten. (In den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg wurde übrigens auf dieselbe Weise Brennmaterial gewonnen.) Später dann wurden der Bergbau zentralisiert, mehrere Zechen auf dem Kohlberg übernahmen die Förderung, inzwischen war er zum Untertagebergbau entwickelt; die Entwässerung der Gruben wurde im 18. Jahrhundert dann nicht mehr mit der Kraft aufgestauten Wassers und einem technisch sehr aufwändigen "Kunstrad" vorgenommen, sondern mit von Dampf und später elektrischer Energie betriebenen Pumpen. Die erwähnten Straßennamen dokumentieren heute noch die Industrialisierung durch den EBV. Anfang des 20. Jahrhunderts war dann Schluss mit dem Bergbau im Inderevier.
Wie lange es den Eschweiler Volkslauf gibt, weiß der Berichterstatter nicht zu sagen. Ich traf einen alten Freund, der zum 44. Mal an diesem Lauf teilnimmt. Damit ist der Eschweiler Volkslauf bereits selbst Stadtgeschichte geworden. Wir können uns also heute schon darauf freuen, nächstes Jahr zweifach von der Geschichte geadeltes Terrain betreten zu können. Mit anderen Worten: Wer 2015 nicht mitläuft, ist nach dem Lesen dieser Zeilen selbst verantwortlich für den verpassten Sieg.

Detlef