Reisebericht vom Wanderurlaub auf La Gomera, 31.01. - 07.02.2016


Unser erster Lauftreff - Wanderurlaub

Am Karnevalssonntag landeten Jürgen, Peter, Birgit und Karl-Heinz, Angelika und Ralf, Marc, Nicole und Iris in dem kalten Köln – teilweise etwas angeschlagen, aber mit vielen neuen Eindrücken und leicht gebräunter Haut. Hilde und Manfred genossen die kanarische Sonne noch weitere Tage – ohne die Wandermeute.

Wie alles begann:
Es wird viel gequatscht, bei den regelmäßigen Läufen durch den Aachener Wald. Mal über leckeres Essen, über Laufschuhe bzw. Uhren, über die Spezies Mann bzw. Frau oder über Urlaube.

So berichtete Manfred mit großer Begeisterung im Frühjahr 2015 über seine unzähligen Wandererlebnisse seit rund 30 Jahren auf La Gomera.

Mit der Zeit reifte die Erkenntnis bei begeisterten Wanderern aus den Laufgruppen: Das ist wohl eine tolle Sache und "man" müsste es auch tun. Ein Abstecher in den sonnigen Süden und die Flucht aus dem grauen, regnerischen und kalten Alltag.

Die Neugier führte dann zu einem ersten Expeditions -Treffen mit zwölf Interessenten. Die Informationen die wir erhielten steigerte unsere Begierde, Gomera in den Wanderstiefeln – und nicht in den Laufschuhen - kennen zulernen. Wir beschlossen: Wir reisen! Es folgten weitere Treffen zur Klärung spannender Fragen: Wer wohnt mit wem im Appartement, was gibt es zu entdecken, wie reisen wir an und gibt es wirklich „Nacktschnecken“ auf Gomera. Manfred stand geduldig Rede und Antwort.

Auch hatten wir besprochen, wir machen viel gemeinsam, aber wir hängen nicht wie die Kletten aneinander, jeder kann sich – wann auch immer - seinen eigenen Freiraum nehmen.

Elf Teilnehmer freuten sich auf eine Auszeit vom Winter und auf muskuläre Herausforderungen in den Wanderschuhen und an den Wanderstöcken.

Die Flugtickets wurden gekauft, der Transfer mit Bus und Fähre von Manfred organisiert. Die Beschaffung der Bahntickets lag in den Händen von Nicole.

Dann war es endlich soweit, den kalten 50. Breitengrad in Köln zu verlassen, in Richtung Äquator zum Breitengrad 28. Am Sonntag begann die Anreise am zeitigen Morgen und vergnügt trafen wir uns am Kölner Flughafen. Etwas aufgeregt wurde erörtert, stimmt das Gewicht und passen die Gepäckabmessungen, was ist wenn es nicht passt.....
Zwei Bordkarten konnten nicht gelesen werden, was zu einem Rückstau mit Zeitverzögerung führte. Letztlich kamen wir alle am Gate an. Der knapp 5 stündige Flug nach Teneriffa war zwar lang aber trotzdem irgendwie kurzweilig.

Die Temperaturen (21° C) bei der Ankunft auf dem Flugfeld waren recht ungewohnt aber angenehm. Im Terminal wurde anfangs noch gewitzelt, was ist wenn der Koffer nicht da ist........ Einer nach dem anderen nahm seinen Koffer von dem Gepäckband – nur der rote Koffer von Birgit und Karl-Heinz wollte nicht auftauchen. Die erste große Aufregung schon bei der Ankunft – oh je, was soll da noch kommen! Die Urlaubsstimmung war getrübt. Aber die Gruppe unterstützte auch hier die beiden Suchenden und so wurde die Vermisstenanzeige aufgegeben. Dann ging es über den Bustransfer zur Fähre in den Hafen von Teneriffa.

Die See war ruhig, ein Segen. Nach einer guten Stunde über den Atlantik, erwartete uns am Hafen der nächste gecharterte Bustransfer. Bei einsetzender Dunkelheit traten wir die Fahrt an und windeten uns über die gomerischen Serpentinen quer über die Insel nach Valle Gran Rey. Wir freuten uns dann endlich um Mitternacht auf die Quartiere die uns fast allen zügig zugewiesen wurden. Dann noch: Essen, trinken und gute Nacht!

Der Schlaf war tief. Sollen wir zu zweit frühstücken oder lieber in der Gemeinschaft? Gemeinschaft ist besser. Schnell wurden Stühle, Geschirr, Kaffee, Brötchen etc. von Balkon zu Balkon gereicht. Es war ein tolles Frühstück. Diese Idee haben wir beibehalten und trafen uns immer in einem anderen Appartement. Jeder Tag begann mit einem guten Frühstück und Sonnenschein!

Am Montag starteten wir um 10:00 Uhr mit einer "leichten" Eingewöhnungs-wanderung auf den gomerischen Hausberg von Valle Gran Rey. Verpflegung war mitzunehmen, da erst eine Einkehrmöglichkeit am Ende der Wanderung bestand. Jaaaaaaaa, es war schon eine Herausforderung mit grandiosen Ausblicken, Rastplätzen und Höhenmetern (insbesondere ein einsamer Baum mit Discokugeln dekoriert hat es uns angetan und kam bei vielen Folgewanderungen immer wieder in Sicht). Am Abend spürten wir Muskeln die sich sonst beim Laufen nicht "melden". Aber der Schmerz war schnell vergessen beim Treffen an der Playa zum Sonnenuntergang, begleitet von den "berühmten" Trommlern am Strand und Althippies in verschiedenster Ausführung. Ein Hauch von Marihuana lag in der Abendluft. Die Sonne war weg, der Hunger war da. Ab in ein landestypischen Lokal mit Blick auf das Meer. Das erste warme Essen nach dem Verlassen Deutschlands. Der Absacker vom Lokal war eine Eigenkomposition, etwas Pflaume, etwas Zimt, viel Zucker. Bei diesem und allen weiteren gemütlichen, gemeinsamen Abendessen wurde die Gesamtrechung immer durch die Anzahl der Köpfe durch den Kalkulator Marc berechnet. Die Scheine flogen auf den Tisch und so fanden wir eine unkomplizierte und sehr angenehme Methode zum Begleichen der Völlerei. Anschließend zogen wir los um noch ein wenig Livemusik und gute Getränke in den Bars von La Playa zu genießen. Aber alt wurden wir alle an diesem Abend nicht – die Anstrengung der Anreise und der ersten Wanderung waren noch in allen Körperteilen spürbar.

Die Insel bietet viele geologische Formen und unterschiedlichste Flora. Jede Wanderung die Manfred für uns geplant hatte, war sehr schön, abwechselungsreich und auch immer anstrengend unter der kanarischen Sonne. Manfred machte das so überzeugend, dass er auch von Touristen aus aller Herren Länder um Informationen zu Wanderwegen angefragt wurde. Manche Route konnten wir direkt gehen, andere wurden per Bus erreicht. Auch ein Rücktransfer per Anhalter war kein Problem. Viele Eindrücke haben wir in vielen Fotos festgehalten. Diese werden wir bei einem leckeren Abendessen in Manfreds Aachener "Finca" in den nächsten Wochen gemeinsam anschauen und in den Erinnerungen schwelgen. Vielleicht sogar mit den ersten Gedanken über eine weitere Expedition mit dem Lauftreff.

Getreu unserer Vereinbarung hatte jeder Gelegenheit seinen Bedürfnissen nachzugehen. So wurde zum Beispiel Wanderung gegen Seefahrt mit Beobachtung von Walen und Delphinen getauscht oder auch Strandpflege betrieben.

Einziger Wehrmutstropfen war der gomerische Virus, der hin und wieder zuschlug und von Magenkrämpfen über Fieber und Schüttelfrost die Expeditionsteilnehmer mal mehr und mal weniger kurzfristig außer Gefecht setzte.

Der berühmte rote Koffer kam und kam leider nicht und blieb weiterhin verschollen. Fehlende, dringend benötigte Sachen konnte man zu Glück auch auf der Insel erwerben. Kurz vor der Abreise tauchte aber auch der Koffer auf La Gomera auf. Ein Anruf, schupps war der Koffer wieder da und man musste ihn mit nach Deutschland schleppen......

Der letzte Abend in unserem "Stammlokal" endete nicht mit dem Likör sondern der Wirt ließ den Sektkorken knallen. Ein himmlisches Getränk aus heimischem Anbau.

Ein letzter Absacker und Blicke auf das nächtliche Meer.............

Das letzte Frühstück am Samstag führte wieder einen Teil der Gemeinschaft zusammen. Langsam wurden die Koffer gepackt, defekte Wanderschuhe in den Abfallcontainer geworfen usw. usw. Die Unterkunft von Hilde diente am Abreisetag als Krankenstation für die Befallenen des gomerischen Virus und als Koffer-Depot. Alle gesunden bzw. wieder genesenden der Gruppe hatten noch die Möglichkeit ein letztes Mal den Strand und die Uferpromenade zu genießen. Am Nachmittag dann "tränenreicher" Abschied von Manfred beim Bus. Er durfte noch einige Tage dort bleiben und sich von seiner Reisegruppenleitung erholen.

Unsere abenteuerliche Heimreise begann am Samstag, gegen 15.30 Uhr und sollte bis zum Sonntag Nachmittag andauern. Der erste Teil der Rückreise war der Bustransfer über die Insel bei Tageslicht. Diesmal konnten wir die Serpentinen und den Blick auf viele erwanderte Insel-Highlights genießen. Die Fähre, als Teil 2 der Rückreise, hatte unglaublich bequeme Sitze, welche wir uns alle gerne im Flieger gewünscht hätten. Nach dem einstündigen Transfer auf See, wurde der touristische Kontrast zwischen den beiden Kanaren-Inseln sehr deutlich. Mit einem Fuß noch fast auf der Fähre, wurden wir in Teneriffa von penetranten Straßenhändlern, Restaurant- und Disko-Lockvögeln überfallen. So was gibt es auf der idyllischen kleinen Insel einfach nicht. Je nach Ausrichtung der Geschmacksknospen verteilten wir uns in den unterschiedlichsten Esslokalen um unserer "Henkersmahlzeit" vor dem schwierigen, langwierigen dritten Teil der Rückreise zu verspeisen. Alle – bis auf Peter - fuhren um 21:00Uhr zum Flughafen. Er kam nach einem weiteren Abstecher zu einem Bierchen und einer Tasse Kaffee mit dem Taxi nach.

Der Flughafen war gespenstisch leer, nur eine Cafebar blieb über Nacht geöffnet. Also suchten wir uns ein Plätzchen zum schlafen auf den harten Bänken. Richtig Schlaf zu finden, war nicht leicht, da der Härtegrad des Bettenlagers und die teilweise doch frischen Nachttemperaturen dem entgegen wirkten.

Gegen 04:00 Uhr war die Nacht vorbei. So richtig frisch waren wir alle nicht. Diesmal kamen alle ohne Probleme zum Gate. Pünktlich flogen wir um kurz nach 6 Uhr Richtung Köln ab. Manche nahmen im Flugzeug noch eine Mütze Schlaf zu sich, andere haben gelesen oder schauten aus dem Fenster und sahen die Biskaya, Paris mit allen Sehenswürdigkeiten und das Braunkohlenabbaurevier zwischen Aachen und Köln.

Wie wunderbar: In Köln war das gesamte Gepäck angekommen, auch der rote Koffer. Vier wurden mit dem PKW abgeholt und der Rest eilte zum Bahnhof. Der Zug stand bereit, aber der Fahrscheinautomat war belagert. Da Nicole in diesen Dingen sehr bewandert ist, klappte alles blitzschnell, kaum saßen wir im Zug und schon fuhr er ab. Noch einmal umsteigen am närrischen Kölner Hauptbahnhof auf dem gleichen Bahnsteig und Aachen kam unaufhaltsam näher.

An den Temperaturunterschied konnten wir uns nur schlecht gewöhnen und die Strapazen der Rückreise trieben uns alle aber auch früh am Sonntagabend in die heimischen, warmen Betten.

Einen herzlichen Dank an den Gomera-Ranger und Organisator Manfred! Wir würden glatt wieder mit dir verreisen!

 

Das Redaktionsteam

Angelika - Jürgen